Ohne Spritzen und Medikamente Schmerzen lindern:

In der Gemeinschaftspraxis „Orthopädie Mühleninsel“ setzt Dr. Marina Merk bei der Behandlung von chronischen Sehnenansatzschmerzen und anderen knochennahen Weichteilbeschwerden nicht nur auf Spritzen und Medikamente. Sie vertraut ebenso selbstverständlich auf ein Verfahren aus der Physikalischen Medizin, das eben ohne Chemie auskommt: die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT). Im Gespräch mit dem Medizinjournalisten Dr. Gunther Boenisch erklärt die Orthopädin und Expertin für Spezielle Schmerztherapie die Möglichkeiten, die diese Behandlungsform eröffnet.


Die Kalkschulter ist eine der Hauptindikationen für die ESWT … (Fotos: OMI)

… aber auch beim Fersensporn wird sie mit Erfolg eingesetzt (Foto: OMI)

 

??? Frau Dr. Merk, Schmerzbefreiung ohne Skalpell, Spritze oder nebenwirkungsreiche Medikamente, nur durch Stoßwellen. Wie muss man sich als Patient das vorstellen?
Dr. Marina Merk: Nierensteine werden bereits seit über 40 Jahren erfolgreich mit Stoßwellen beseitigt. Auch in der Orthopädie ist das Verfahren nicht ganz neu. 1989 wurden dieselben Stoßwellen erstmals zur Behandlung von verzögert heilenden Knochenbrüchen, so genannten Pseudarthrosen, eingesetzt. Aber erst in der jüngsten Zeit hat man erkannt, dass auch in der Orthopädie das Einsatzspektrum der extrakorporalen Stoßwellentherapie erheblich breiter ist.

??? Bei welchen Krankheitsbildern ist die ESWT eine erfolgversprechende Behandlungsoption?
Dr. Merk: Es sind vor allem Sehnenansatzschmerzen, also Schmerzen in Bereichen, wo die Sehnen am Knochen verankert sind. Dazu gehören z.B. die Kalkschulter, der Golfer- oder Tennisellenbogen, Muskelschmerzen an der Hüfte, Schmerzen an der Achillessehen und der Fersensporn. Auslöser ist sehr häufig eine mechanische Überlastung. Dabei muss der Patient nicht unbedingt Tennis spielen, um sich z. B. einen Tennisarm einzuhandeln. Auch das stundenlange Bedienen einer Computertastatur kann dazu führen. Die zum Teil chronischen Schmerzustände sind weiter verbreitet als gemeinhin angenommen und nicht selten quälen sich die Patienten jahrelang damit herum.

??? Wie funktioniert das Verfahren technisch?
Dr. Merk: Wie bei der Zertrümmerung von Nierensteinen werden Schalldruckwellen erzeugt, die in der Tiefe des Körpers gebündelt – man sagt dazu auch fokussiert – werden. Diese Bündelung der Stoßwellen kann, vor allem wenn sie rhythmisch und wiederholt erfolgt, zur Auflösung einer Verkalkung führen. Der Festkörper wird quasi zermahlen, die Partikel vom Blut abtransportiert und dann ausgeschieden.

??? Was macht die ESWT aus Ihrer Sicht so vorteilhaft?
Dr. Merk: Wichtig ist darauf hinzuweisen, dass bei richtiger Anwendung das Verfahren nebenwirkungs- und komplikationsfrei sowie frei von jeder Strahlenbelastung ist. Und dann überzeugen natürlich die hohen Erfolgsaussichten von bis zu 80%, vor allem beim Tennisellenbogen, bei der Kalkschulter und beim Fersensporn. Diese Quote ist umso bemerkenswerter, weil die meisten Patienten bereits konservativ austherapiert sind und durch die ESWT oft eine drohende Operation doch noch vermieden werden kann.

??? Wie läuft eine Behandlung mit Stoßwellen für die Patienten ab?
Dr. Merk: Wir führen die Behandlung in der Orthopädie Mühleninsel ambulant durch. Zunächst wird per Ultraschall die Problemzone dargestellt. Anschließend kommt auf die Zielregion Kontaktgel und darauf dann der Stoßwellenkopf. Danach werden für wenige Minuten die Stoßwellen unblutig über die Haut auf die schmerzende Stelle abgegeben. Die Wellen werden individuell so eingestellt, dass sie bei den Patienten keine Schmerzen hervorrufen. Anschließend können die Patienten wieder nach Hause gehen. Eine spezielle Nachbehandlung oder Schonung ist nicht erforderlich. Meist genügen drei Therapiesitzungen, die jeweils im Abstand von wenigen Tagen durchgeführt werden.

??? Wie sieht es mit der Kostenübernahme durch die Kassen aus?
Dr. Merk: Die ESWT ist ein Verfahren, für das in zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen ein therapeutischer Effekt nachgewiesen ist. Daher erstatten die meisten Privatkassen die Behandlung auf Antrag in vollem Umfang.

Frau Dr. Merk, vielen Dank für das interessante Gespräch!


Das Ärzteteam der Orthopädie Mühleninsel vertraut häufig auf die Extrakorporale Stoßwellentherapie (Foto: OMI)